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Nachruf auf die freie Presse

Freitag, 06.01.2012

Die freie Presse ist tot. Zumindest als Informationsmedium. Gerade die aktuelle Hexenjagd auf unseren Bundespräsidenten hat mich endgültig überzeugt, dass die Presse nur noch als Unterhaltungsmedium taugt. Mein Beileid an alle “richtigen” Journalisten, die ihr Handwerk mal aus ehrlicher Überzeugung und Idealismus gelernt haben.

Früher gab es mal eine Zeit, da habe ich gerne Zeitung gelesen. Ich fühlte mich sachlich und objektiv informiert und hatte sogar das eine oder andere Abonnement. Diese Zeit ist lange vorbei. Heute geht es nur noch um den Sensationseffekt zur Auflagensteigerung, wer dafür vernichtet wird, ist zweitrangig. Aus dem Informationsjournalismus ist eine lobby- und interessengetriebener Action-Serie geworden.

Da stellt sich allen Ernstes der Chef des größten Sensations-Blattes vor die Öffentlichkeit und demontiert einen Menschen, der es gewagt hat, einen Privatkredit aufzunehmen um sich einen sehr bodenständigen Wunsch zu erfüllen und der bei Freunden Urlaub gemacht hat. Die einzige Verfehlung dieses Menschen besteht darin, zu emotional reagiert zu haben, als er seine Privatsphäre angetastet sah und den folgenden Spießrutenlauf wohl schon erahnte. Wie schändlich. Ein Mensch, der ein öffentliches Amt bekleidet und Emotionen? Wo kommen wir denn da hin – am Ende zeigt er noch Mitleid oder etwas ähnlich Absurdes …

Es geht mir hier nicht um das Amt des Bundespräsidenten. Das hat und hatte für mich nie eine Bedeutung, es war halt einfach da und hat mir weder geholfen noch geschadet. Aber wie hier ein Mensch, der sich aus meiner Sicht bislang nichts hat zu Schulden kommen lassen, von allen Seiten geradezu gesteinigt wird, ist für mich unerträglich. Dagegen mutet die christliche Inquisition des Mittelalters geradezu an wie ein Kindergeburtstag! Und Kai Diekmann metzelt als moderner Bernard Gui jeden nieder, der ihm in den Weg tritt oder seinem Erfolg dienlich ist. Nur gefoltert wird nicht mehr. Zumindest nicht körperlich. Ich zumindest möchte in diesem Land kein Politiker sein.

Herr Diekmann, auch Sie sind eine Person öffentlichen Interesses und bekleiden doch eine sehr verantwortungsvolle und meinungsbildende Position. Legen Sie doch mal bitte offen, welche Vorteilsnahme im Job Sie in den letzten Jahren so genossen haben. Welche Artikel haben Sie mit Hilfe Ihres Presseausweises rabattiert erhalten, welche Urlaubsreisen haben Sie vergünstigt genossen, welche Upgrades in Anspruch genommen? Bei welchen Freunden haben Sie genächtigt, bei wem waren Sie aufgrund Ihres Status zu Gast?

Auf der einen Seite echauffieren sich Datenschützer und Medien über einen zu laxen Umgang mit selbstveröffentlichten(!) Daten bei Facebook, auf der anderen Seite erwarten genau diese Medien einen schonungslosen Verzicht auf Privatsphäre, wenn daraus ein vermeintlicher Skandal oder eine Effekthascherei zu erwarten ist. Die Bigotterie spricht für sich und bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Die Presse als Informationsmedium ist gestorben. Und das zu Recht. Sie kann es nicht mehr und sie will es nicht mehr. Aktuelle News bekommt man mittlerweile schneller, ehrlicher und umfangreicher per Twitter oder Blog, kluge Menschen, die es weiterhin gibt und die sich tiefergehendend mit Themen auseinandersetzen reichern diese mit Hintergrundinformationen an. Ich lese mittlerweile lieber zehn verschiedene Meinungen zu einem Thema und bilde mir meine eigene, statt einem vermeintlich seriösen Artikel zu vertrauen.

Die klassischen Printmedien als Informationsmedien sind ein Anachronismus. Genau wie die heilige Inquisition. Auch sie versuchte verzweifelt, durch Hexenverbrennungen und Unterdrückung von Bildung ihren Machtstatus zu erhalten. Es ist misslungen.

Mögen sie in Frieden ruhen.

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