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Der Ausverkauf des Geistigen Eigentums – eine Posse
Freitag, 11.05.2012Ich versteh die Debatte um’s Urheberrecht nicht. Vielleicht bin ich auch einfach zu doof.
Als Kind hab ich vor’m Radio gesessen und mit meinem billigen Cassettenrecorder “Vom Telefon zu Mikrofon” mitgeschnitten. So wie tausende anderer Kids auch. Ich hab mich geärgert, wenn der Moderator reingequatscht hat und die Qualität war grausam. Von der Arbeit, die das gemacht hat, mal ganz abgesehen. Aber es hat keinen geschert und kein Künstler ist wegen mir verarmt. Ich hätte mir die Platte eh nicht kaufen können von meinen zwei Mark Taschengeld. Als Schüler hatte ich dann einen Nebenjob in einer Werbeagentur. Da gab es einen gigantischen Kopierer und hin und wieder hab ich mir ein teures Buch kopiert, das ich mir nicht leisten konnte. Gekauft hätte ich es nie. Und auch dadurch ist keiner verarmt.
Verarmt sind Künstler trotzdem – trotz geltenden Urheberrechts – aber nicht wegen meiner Verfehlungen. Sie sind verarmt, weil sie entweder nicht mir ihrer Kohle umgehen konnten und alles für Nutten und Koks rausgeramscht haben, oder keine durchgängig gute Qualität liefern konnten, sodaß sich am Ende keiner mehr für ihr “geistiges Eigentum” mehr interessiert hat.
Später hatte ich einen “echten” Job und konnte mir endlich was leisten. Was hab ich getan? Ich hab mir Dutzende von Platten gekauft – eine Maxi kostete damals ca. 10 Mark und ca. 200 davon stehen heute noch in meinem Schrank. Ich habe Konzerte besucht: Depeche Mode, Duran Duran, Heaven 17, später Ärzte … ich weiss nicht wie viele es waren. Die meisten Bands gibt es immer noch – und die gehen sogar wieder auf Tour. Und ich gehe immer noch gerne hin – trotz Youtube. Und warum? Nicht wegen des geltenden Urheberrechts. Sondern weil sie GUT sind. Und weil es einen deutlichen Unterschied macht, ob ich mir Dieter Nuhr bei YouTube anschaue, oder ihn live erlebe.
Damals gab’s keine zweitausend künstlich gezüchteter Eintagsfliegen, die per gefakter TV-Massenabstimmung für wenige Monate auf ein fragwürdiges Treppchen gehoben werden. Da hat man nicht allein mit der Castingshow die ersten Millionen in die Kassen gespült. Neee, die konnten schon VORHER was und konnten das Niveau halten – DAFÜR wird man belohnt.
Und ich habe mir Bücher gekauft. Ich war schon als Kind ne Leseratte und habe einen mächtigen Verbrauch an Büchern. “Illuminati” hat mir gerade mal 8h Freude bereitet, dann hatte ich es durch. Seither steht es im Schrank. Vielleicht liest es mein Sohn noch mal, oder ich verkaufe es auf dem Flohmarkt. Ich schätze, ich habe mittlerweile locker einen höheren, vierstelligen Betrag in Bücher investiert – von denen, die ich gerne verschenke, ganz zu schweigen.
Bleiben noch Spiele: “Skyrim” hab ich mir am Erscheinungstag gekauft. Viele andere als Budget-Versionen, weil mir der hohe Einstiegspreis nicht angemessen erschien. Auch hier ist sicher ein kleiner Gebrauchtwagen im Laufe der Jahre zusammengekommen. Und ich bin nur einer von 80Mio. Einwohnern Deutschlands und ich kenne ganz viele, bei denen es ähnlich läuft.
Worüber wird also diskutiert?
Über Kids, die sich eine Spiele-DVD in Häppchen von 60 .rar Dateien von einer Plattform saugen, damit irgendeinem Provider ordentlich Traffic bescheren, um dann festzustellen, dass Datei 55.rar defekt ist? Oder geht’s um die Millionen MP3-Zombies die vergessen auf irgendwelchen Festplatten vor sich hindösen um einmal im Jahr zur Geburtstagsparty wiederbelebt zu werden? Ein Sport, der sich längst überholt hat, weil es viel bequemer ist irgendeinen coolen, legalen Streaming-Channel laufen zu lassen.
1999 wurde eine mitgefilmte Version von “Star Wars Episode I” verbreitet – natürlich hat sie fast *jeder* gesehen, aber das hätte doch niemand davon abgehalten sich das ebenfalls im Kino anzusehen. Wie hat es Avatar nur geschafft, trotz Kino.to 2 Mrd. Euro einzuspielen? Mit QUALITÄT, meine lieben Autoren und Künstler – nicht wegen des Urheberrechts.
Und wie schaffen es Dutzende von Privatpersonen mit witzigen, kreativen oder skurrilen Youtube-Channels so viel Traffic zu generieren, dass sie davon leben können? Mit guten Ideen und harter Arbeit – Eigenschaften von denen sich viele sogenannte “Künstler” eine Scheibe abschneiden könnten. Dass eine Charlotte Roche mit ihrer spätpubertären Fäkal-Vergangenheitsbewältigung sich um das Urheberrecht Sorgen macht, spricht – stellvertretend für die Branche – von hoffnungsloser Selbstüberschätzung. Wer würde sowas schon kopieren wollen?
Wie wär’s wenn sich alle mal ein bisschen weniger wichtig nehmen und einfach mal erwachsen werden? Gerne auch digital.
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